Wednesday, September 20, 2006

Die fabelhafte Welt der Lisalie

Der folgende Beitrag ist nicht für Langweiler, Pessimisten und/oder Miesmacher geeignet. Bitte weisen Sie sich vor Gebrauch aus. Eltern haften für ihre Kinder...

Mein Wochenende begann sehr entspannend gegen drei Uhr nachmittags als ich für das Wochenende meines Lebens abgeholt wurde. Ich hatte das große Glück, dass meine "Familie" mir anbot das Wochenende mit meinen Freunden zu verbringen, weil sie der Meinung waren, dass es für mich mit Ihnen langweilig wäre. Wahscheinlich wäre es so gewesen, denn mit sage und schreibe 13 Kindern wäre es wohl mehr ein Babysitting Wochenende geworen, bowohl ich ehrlich gesagt auch nichts dagegen gehabt hätte, ich so wohl aber mehr von Land und Leuten gesehen habe...
Also ich wurde abgeholt, wir machten einige Besorgungen und fuhren dann zu einem Freund (Nicolas del Rio), der uns nach San Vicente fahren sollte. Wir noch einen weiteren Freund (Santiago, genannt Negro) ab und ab ging die Reíse, die ehrlich gesagt bereits sehr schön war denn es lag etwas unbeschreiblich Festliches, Fröhliches in der Luft, was ich so noch nicht erlebt hatte. Dazu kam, dass der Tag unglaublich warm und angenehm war und man aufgrund des Fahrens mit offenem Fenster (niemand benutzt hier die dafür vorgesehenen Einstellungen im Auto) den Barbecueduft der fünf Millionen Einwohner Santiagos ständig in der Nase hatte - äußerst angenehm kann ich nur sagen.
Die Fahrt ging aufgrund eines unheimlichen Staus nur langsam voran, aber es herrschte eine so tolle Stimmung, das uns alle das wenig störte. So dauerte die normalerweise eine Stunde lange Fahrt an die zwei bis drei Stunden. Wie wir am nächsten Morgen erfahren sollten, hatte ein Minijet aufgrund von Problemen auf der Straße notlanden müssen...
Wir kamen also gegen acht Uhr auf der Farm von Matias Freunden (Correa) an und wurden überschwenglich begrüßt. Es waren noch weitere Freunde und Kinder der Familie anwesend, so dass wir insgesamt um die 13 Leute waren, aber über das Wochenende noch wachsen sollten.
Wir hatten, wie hätte es anders sein können, ein schönes Barbecue und danach einen netten Plausch unter Freunden bis ich merkte, dass es hieß "Auf zum Feiern", was mich völlig überraschte, denn damit hatte ich nicht gerechtnet, denn ich war bereits Mittwoch und Donnerstagabend weggewesen und nun völlig erschöpft, dennoch ging ich natürlich mit. Es sollte auch nicht lange dauern, denn offensichtlich gefiel den anderen die Musik nicht und so verließen kaum eine Stunde (oder weniger) nachdem wir angekommen waren bereits die Feier wieder, die auch wirklich nicht allzu sehr besucht war. Mir kam das sehr entgegen, dennoch waren wir erst gegen fünf im Bett.
Da ich am nächsten Morgen nicht wusste, wann alle aufstehen würden, war mein Schlaf nicht allzu fest. Ich merkte jedoch schnell, dass es nicht vor 12 sein würde und tatsächlich hatten wir dann auch erst gegen drei Uhr Mittag. Vorher relaxten wir alle schön draußen auf dem Rasen. Das Wetter war herrlich, die Leute entspannt und nett. Wir aßen selbstgemachte Käseempanadas und tranken eisgekühlte Getränke. Nach dem Mittag ging wieder jeder seiner Wege und die meisten gingen wieder schlafen. Dafür war ich zu aufgeregt, denn ich hatte den Tag davor erfahren, dass wir an dem Tag ausreiten würden. Allerdings bestand dann das Problem, dass der Mann, der sich um die Pferde kümmerte nicht da war und er den Schlüssel zu der Sattelkammer hatte. Also fiel das aus.
Abends, nach dem Abendbrot gegen 10 Uhr (!), hieß es wieder "Vorglühen" mit dem Nationalgetränk Chiles Pisco - mit Cola wird das dann zu Piscola und hier so etwas wie die Muttermilch der Chilenen. Danach bestiegen wir den hauseigenen Minibus und fuhren ungefähr eine halbe Stunde zu einer Art Volksfest, ähnlich dem Rodeo mit lateinamerikanischer Band, unter fast freiem Himmel (ein paar Planen ändern da nicht viel an den Wetterverhältnissen) und dem Volkstanz "cueca", den man mir verzweifelt versuchte beizubringen. Ehrlich gesagt ist er nicht so schwer, aber ich hatte einige Hemmungen vor den anderen. Mir wurde gesagt, dass der Tanz auf dem Hahnenkampf basiert, in dem der Hahn um die Henne balzt. So sieht es dann auch tatsächlich aus - ein jeder mit einem Taschentuch (oder was gerade zur Verfügung steht) in der Hand und tanzend wie die Berserker.
Allerdings war ich an dem Abend wirklich müde und die Musik sagte mir ehrlich gesagt auch nicht so zu und so ging ich mit Gleichgesinnten zum Minibus, um mich schlafen zu legen.
Der nächste Tag begann ähnlich: wir aßen Mittag und danach machte jeder seins. Ich legte mich wieder nach draußen um die Sonne und das Wetter zu genießen und versuchte zu schlafen, bis ich völlig überraschend geweckt wurde, dass wir nun reiten würden. Dazu war ich allerdings jederzeit bereit und so vergaß ich meine Müdigkeit schnell und saß auch schon im nächsten Moment in einem typisch chilenischen Sattel mit einem Pferd unter mir mit dem Namen "Tallentosa", was soviel wie "Talentiert" bedeutet. Ich meinte nur dass sie dann ja perfekt zu mir passen würde und ab ging die Lucy - mit vier weiteren Freunden: dem ältesten Sohn des Hauses Santiago Correa, seiner Freundin Manena (die sage und schreibe 14 Geschwister hat!), Negro und Matias. Allerdings wurde unser kleiner Trip bereits am Anfang gestört, denn Santiagos Pferd verletzte sich beim Öffnen des Tores am Huf und lahmte. Negro erbot sich da zu bleiben und so waren wir nur noch 4. Anscheinend stand der ganze Ausritt unter keinem guten Stern, denn alle Wege, die zu den ersehnten Bergen führten waren versperrt und so mussten wir einen anderen Weg gehen. Nach dem Ritt hieß es dann - Sonntag ist der Tag des Herrn und das Chile bekannterweise ein sehr katholisches Land ist, war um sieben Kirche angesagt, die auch ich besuchte.
Auch danach hieß es wieder: jede Möglichkeit zum schlafen nutzen, doch ich schaffte es nicht und so empfingen wir auch schon wieder Gäste tranken Piscola und Pisco sour (die weibliche Variante des Piscola, sehr lecker, ähnlich dem Caipi, mit Zucker und Eiweiß) und waren bereit zu tanzen. Doch nicht ich. Für den Abend, der mich wirklich packte, entschied ich "zu Hause" zu bleiben, ebenso wie ein Freund, mit dem ich mich dann auch so verquatschte, dass ich wieder erst gegen vier, fünf Uhr im Bett war.
Der nächste Tag war dann "DER" Tag - der 18. September, Geburtstag Chiles und der wahrscheinlich wichtigste Feiertag (nach Ostern und Weihnachten). Allerdins schien das Wetter den Tag nicht zu mögen, denn es war wolkig und kühl. Eigentlich hatten Santiago, Manena, Matias und ich für diesen Tag einen sechsstündigen Ausritt in die Berge geplant - mit Aufstehen um acht Uhr und allem drum und dran. Geweckt wurde ich dann allerdings gegen neun und als ich in der Küche war und bereits am Wetter zweifelte, wurde mir mitgeteilt, dass wir bereits zu spät dran seien und aufgrund eben des Wetters auch Zweifel hätten. So waren wir dann ganz umsonst nach nur vier Stunden Schlaf aufgestanden und fanden ihn auch nicht mehr. Umso müder waren wir als es dann hieß: auf zum nächsten Barbecue - Treffen mit Nachbarn, Freunden und Verwandeten, alles in allem an die 30, 40 Leute. Nach ausreichendem Essen machten wir uns dann auf einen, wie ich erfuhr, fast traditionellen Spaziergang zu einigen Bergen, die wir unter Anstrengungen erklommen um in deren Mitte einen wunderschönen Wasserfall zu finden - ohne Worte!
Wir fuhren zurück, aßen Abendbrot und machtenuns für "DIE" Feier überhaupt fertig. Für den Anlass war extra ein Bus gemietet worden mit dem wie eine halbe Stunde zu einem Rodeoplatz fahren sollten. Bereits die Fahrt war sehr erheiternd, denn was wir sonst im Haus taten, vollzog sich nun hier...
Die Feier selbst war auch nicht schlecht - nur Lateinamerikanische Musik (u.a. cueca, den ich diesmal wirklich zweimal tanzte), aber wirklich nicht schlecht, sodass wir auf unsere Kosten kamen. Dennoch waren wir wiederum zuuu müde, um alles zu überstehen und so machten wir uns gegen vier Uhr auf den Weg zum Bus und schliefen dort ungefähr zwei Stunden bis es dann endlich heimwärts ging. Die Sonne war dann auch wirklich schon aufgegangen, als wir schlafen gingen - und zwar bis ungefähr ein Uhr. Dann hieß es mal wieder Essen und relaxen.
Alles in allem war es ein Wochenende des Essens, Schlafens und Tanzens, das ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde und für das ich sehr dankbar bin.
Wir verließen SanVicente dann gegen 10 Uhr, erreichten Santiago gegen 12 und ich war gegen zwei Uhr in meinem Bett und ihr mögt gar nicht glauben, wie müde ich gerade bin... und dennoch möchte ich das Wochenende nicht missen und hätte euch gerne dabei gehabt, doch da gibt es ja noch die Kleinigkeit von 12.000 km...

3 comments:

Robad said...

Sehr schicker Post, dein Blog wird immer cooler :) weiter so & liebe Grüße, Rob

Anonymous said...

Interessanter Blog - war auch mal in Chile vor ein paar Jahren auf Reise und die Leute haben uns sehr freundlich empfangen.

Hast Du mal "caldillo de congrio" gegessen? Köstlich! Gibt's immer noch die Cafés in Santiago mit Serviererinnen in knappen Bikinis? Witzig!

Was machst Du eigentlich dort?

Viele Grüße aus Prag,

Darren

PS Buch-Tipp: "How to Survive in the Chilean Jungle" von John Brennan und Alvaro Taboada mit vielen chilenischen umgangssprachlichen Ausdrücken - ziemlich hilfsreich! Libreria Inglesa, Huerfanos 669, Local 11, Santiago Centro, kaufte es damals.

Luca said...

Ich weiß nicht ob ud das kriegst Darren, aber danke erstmal für deinen Kommentar. Hab ihn leider erst jetzt entdeckt... Ich lerne hier Spanisch und was hast du in Chile gemacht ? LG Liza