Wednesday, March 07, 2007

Abenteuer Pucón I.

Ok, das wird jetzt wohl ein langer Bericht, macht Euch auf was gefasst...

Aaaaaaaaaalsooooooo...
wir machten uns am 22. Februar, scharf neun Uhr, auf in unbekannte Gefilde, in den Süden Chiles, da wo die Mapuche - Ureinwohner jeden Eindringling mit wildem Gegröhl und angespitzten Bleistiften Todesangst verjagen. Naja, so was es etwa hundert Jahre bevor wir da ankamen - wollte nur mal einen kleinen Überblick liefern.
Also wir machten uns auf unseren 800 km langen Weg und man möge es glauben oder nicht, auch ich durfte das rote große Ungetüm fahren.
Wir kamen gegen halb sieben, sieben in die nähere Umgebung unseres Zielortes: Temuco - Villarrica - Pucón, und fanden schließlich auch die von mir gemietete, unglaubliche, direkt am See liegende Hütte, die eigentlich mehr ein Einfamilienhaus als ein Urlaubsbungalow war, aber umso besser für uns. Zuerst machten wir uns noch fix nach Pucón zum Einkaufen auf (wo wir natürlich Salz vergaßen, sodass ich beim Nachbarn borgen musste), um dann genau richtig einzutreffen, um die Sonne direkt im See von unserem Wohnzimmerfensterzimmer aus untergehen zu sehen und hatten damit einen fast perfekten Abend auf den noch viele ebensolche Tage folgen sollten.
Den ersten davon fuhren wir nach Pucón, um erstmal eine Übersicht davon zu kriegen, was man alles machen könne und buchten direkt für densleben Nachmittag eine Raftingtour, denn es war gutes Wetter und wir mussten laut Warnungen der Familie auch mit schlechterem rechnen. Allerdings war dieses Rafting Stufe IV und es gibt nur VI+ ... man kann sich also unsere Nervosität vorstellen. Nun ja wir hatten dann noch einige Stunden, bis wir uns um zwei dort wieder treffen sollten und so entschieden wir uns für naheliegende Wasserfälle und eine blaue Lagune, die wir spontanerweise besuchten. Der Wasserfall mit Namen "Ojos de Caburga" (Augen des Caburga, wobei Caburga der nächstliegende See ist, den wir danach besuchen sollten) stellte sich zu unserer Verblüffung nicht als einer sondern drei Wasserfälle heraus und auch die blaue Lagune war irgendwie noch blauer als blau, wirklich wunderschön.
Nachdem wir diese Weide abgegrast hatten, fuhren wir weiter zu dem vorher schon erwähnten Caburgasee, wo wir uns ein Tretboot mieteten und das Boot dann auch traten, eine halbe Stunde, und uns dann zurück nach Pucón aufmachten, um dort noch fix was zu essen bevor wir bei unserer Wildwassertour vor Hunger aus dem Boot kippen würden.
Das schafften wir auch gerade so, und dann fuhr man uns zum Fluss, wo wir erstmal alle nette Astronautenanzüge bekamen, die natürlich allen wie angegossen passten (oder ein wenig zu angegossen) bis auf unsere Mutti, die mindestens zwei Größen zu groß hatte und dementsprechend aussah wie der Plumssack, und sich auch dementsprechend schlechtgelaunt beschwerte, nur dass keiner sie verstand...
Naja, wir erhielten dann noch eine Einweisung, wie wann zu verhalten, Zeichen, die wir zu befolgen hatten und allerlei.
Daraufhin schleppten wie das Boot erstmal ins Wasser und mussten dann rudern, paddeln, was auch immer, bis wir schon dachten, da würde gar nix mehr kommen, doch es kam, erst klein und harmlos, dann groß und stark. Währenddessen musste ich ja immer die Befehle übersetzen, was dazu führte, dass wir immer ein bisschen mit deren Ausführung hinterher hinkten, aber wir waren wohl dennoch die bessere Seite. Wir waren übrigens auch zwei Boote, und dadurch, dass wir am Anfang immer vorne fuhren, konnten wir immer die anderen beobachten, wie sie durch die Stromschnellen fuhren, Stromschnellen, die Namen trugen wie "Das letzte Lächeln", "Des Teufels Rachen" und "Das letzte Höllentor".
Leider kenterten wir nicht (das andere Boot schon - warum sitz ich eigentlich immer im falschen Boot?), wobei unserer Steuermann nichts unversucht ließ, aber wir waren einfach zu gut für ihn, hatten aber mehrmals die Chance uns freiwillig ins Wasser zu werfen und auf dem Rücken treibend sanfte Stromschnellen zu passieren, was ich auch zweimal mit Papa machte und zweimal mit dem Rücken bzw. meinem Hintern ordentlich einen Stein erwischt - war aber trotzdem lustig, selbst Mutti fands trotz ihrem Anzug toll. Das Wasser war übrigens eisig und ohne diese Anzüge unmöglich gewesen.
Der nächste Tag war ein Freitag und wir wollten noch einen Tag "frei" haben, bevor wir uns an die Vulkanbesteigung trauten und so entschieden wir einen weiteren Tipp (nach Ojos de Caburga) zu folgen, denn ich hatte viele bekommen, und den Nationalpark Huerquehue (sprich Uerkewe) zu besuchen - zu Pferd. Denn Mutti und ich wollten gerne reiten, wobei Papa immer meinte, dass könne man ja auch zu Hause machen - was wir ja fleißig jeden Tag tun, nicht wahr, Daddy!?
Naja, ich hatte mich zumindest ganz darauf eingestellt: lange Hose, Shirt und Flipflops, die aber relativ fest saßen, weil sie noch um den Hacken gehen. Nun ja, wir da angekommen - keine Pferde. Stattdessen ein 8 km Spaziergang zu den Seen, die man uns von allen Seiten wärmstens empfohlen hatte. Nun gut, ne große Wahl hatten wir nicht, und so machten wir uns auf den Weg, völlig unschludig, was uns erwarten würde, denn der Spaziergang stellte sich als Hardrockwanderung heraus, mit Modder, Wurzeln überall, Steilhängen, endlosen Stufen und vor allem: keinem Ende. Wir liefen uns halbtod ohne auch nur ein Schild zu sehen, wie weit es noch wäre. Und es ging immer nur hoch, hoch, hoch. Zwischendurch gab es immer mal Wasserfälle zu sehen, wo man dann etwas vom Hauptweg abging und dann etwas runterlaufen konnte, zurück aber wieder hochmusste. Es war ein Teufelskreis.
Und das Allerschlimmste hab ich noch gar nicht erwähnt: wir hatten nicht mal ein Müsliriegel mit, gaaaar nix. Und wir sind dreieinhalb Stunden da hoch und anderthalb wieder runter und waren dann halb sechs wieder in Pucón UND haben sogar noch einen Anhalter mitgenommen. Ich für meinen Teil esse ja schon seit langem kein Frühstück mehr und auch damals nicht, sodass man sich doch sicherlich vorstellen kann, wie meine Beine gezittert haben. Noch dazu hab ich mir kurz vor dem Ziel nach oben noch den großen Onkel an ner Wurzel aufgehauen und konnte nur noch Humpeln. Und auch Papa hatte so seine Sorgen, denn er hatte sich beim Rafting die Augen durch die Reflektion der Sonne auf dem Wasser (ohne Sonnebrille natürlich) verblitzt, also Alles in Allem war es ein Desaster auch wenn Papa trotzdem oben noch ganz fröhlich im See baden gegangen ist, während Mutti und ich ihn für seine gute Laune verfluchten. Naja, aus Fehlern lernt man, nicht wahr? Doch was unbezahlbar war und wir sicher nicht so schnell vergessen werden, auch wenn das ein bisschen durch die Erlebnisse verdrängt wird, war die Aussicht: durch die Bäume sah man den unten gelegenen See und gleich dahinter der imposante Vulkan, den wir zu der Zeit absolut keine Lust hatten zu besteigen, glaubt mir! Trotzdem haben wirs überlebt...

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