Und so ließen wir den Samstag etwas langsamer angehen. Der Tag fing wie alle ein wenig kühl und bewölkt an (was sich jedesmal geändert hatte und der Tag sollte keine Ausnahme bilden) und so beschlossen meine Eltern einem weiteren Tipp zu folgen, allerdings nur die Hälfte davon. Und zwar wurde uns empfohlen in eine der zahlreichen Thermen zu gehen, die es aufgrund des Vulkans und seiner Aktivität zuhauf dort gibt. Allerdings ging die Empfehlung noch soweit, dass wir nachts dort hingehen und die Tageshitze vermeiden sollten. Naja, meine Eltern wussten es ja besser und so machten wir uns auf den Weg zu den "Thermas de Huife". Wegen Unw
issenheit fuhren wir zuerst in ein Hotel und bezahlten eine ganze Menge, doch als wir den Irrtum bemerkten waren sie so nett es uns zurück zu zahlen und so machten wir uns weiter auf die Suche. Ich muss gestehen, dass es mein Fehler, dass wir es zuerst nicht fanden und noch nen ganzen Zacken weiter fuhren, aber dadurch auch ein Rodeo sahen, anhielten und es uns ein bisschen näher anschauen konnten, was ich ja vorher auch noch nie so erlebt hatte - also doch nicht sooo schlecht :)Im Endeffekt fanden wir die Thermen und es war schön, rustikal gehalten, wenn auch zuuu heiß für meinen Geschmack, denn wir kamen genau in der Mittagshitze dort an und die Thermen hatten sicher Temperaturen von 25 bis 35°C oder so ähnlich. Und so nutze ich die Gelegenheit im direkt daneben verlaufenden Bergfluss zu baden, der im Gegensatz vielleicht 15°C kaltes Wasser und noch dazu eine ungeheure Strömung führte.
Danach fuhren wir in den Ort Villarrica, plünderten noch einen Artesaníamarkt bevor wir in ein italienisches Restaurant Mittagessen gingen und danach zurück nach Pucón fuhren, um Papa für den Vulkan auszurüsten, denn wir hatten für den folgenden Tag (Montag) gebucht und man hatte uns einige Anweisungen bzw. Ratschläge gegeben, wie wir uns am besten Anziehen und was wir mitnehmen sollten. Und das Beste seien keine Jeans sondern solche Stofftrekkinghosen, die wir ihm besorgten und außerdem eine Windjacke, weil er keine da hatte, die er später auch zum Fahrrad fahren anziehen kann. Weiterhin brauchten wir alle drei lange Socken, denn wir hatten nur diese kurzen Sportsöckchen und dunklere Sonnenbrillen für Mama und Papa als die ihrigen waren und dann gingen wir noch Proviant kaufen: 1 1/2 Liter Wasser pro Person, Äpfel, Müsliriegel, Brot, Wurst und Käse, naja, was man halt so für einen normal
Und den nächsten Morgen ging es auch schon los. Wir standen Viertel vor sechs auf, ich machte Frühstück und schmierte Brötchen während wir aßen. Wir zogen uns an, so um die vier Schichten übereinander und machten uns dann auf den Weg. Wir sollten uns dort um sieben treffen, doch es verging mindestens eine halbe Stunde bis überhaupt jemand v
on denen erschien, um die Tür aufzuschließen, während auch schon andere sich zu uns gesellt hatten. Dann wurden wir mit Rucksäcken, Eispickeln, Windjacken und-hosen, Handschuhen, Helmen, Schuhen, Spikes und halt allem, was man so braucht, ausgestattet.Naja, als wir dann endlich alle im Bus saßen, gings auf zum Vulkan. Es war diesmal ziemlich wolkig, doch nachdem wir die Wolkendecken mit dem Auto durchstoßen hatten, war für uns alles ziemlich klar - es würde hoch hinausgehen.
Als wir an einer Liftstation angekommen waren, musste wir uns anpellen und wenn wir wollten auf die Toilette - der Horror: Dixiklos. Naja, was hatten wir für ne Wahl...
Danach gings ungefähr zehn Minuten zu der Seilbahn und schon da dachten wir, dass wir nie da oben ankommen sollten, denn mit all den Sachen und den schweren Schuhen an den Füßen war es unglaublich hart vorwärts zu kommen. Trotz es ziemlich einfach von unten aussah (was ja meistens) so ist...
Dann musste Mutti sich mehr oder weniger überwinden auf den Lift zu steigen, der jeweils für nur zwei Personen war und ohne Sicherheitsgurt der Barriere oder ähnliches (Im Winter ist der Vulkan bis zum Fuß mit Schnee bedeckt und dient als Skigebiet, deswegen auch der Lift). Und so lenkten wir uns ab und konnten teilweise gar nicht mehr aufhören zu lachen und fielen vor lauter Lachflash fast von dem Teil. Soweit wie möglich oben angekommen, zogen wir uns den Rest der Sachen an, aßen was Kleines und machten uns dann auf den Weg, vorerst ohne Schnee und Pickel, sondern auf Lavagestein und Felsen.
Bevor wir Schnee und Eis erreichten, machten wir unsere erste große (von viel zu we
Sie meinte hinterher, dass sie uns alle nacheinander abstürzen sah - besonders Papa, der bei der starken Sonne und dem reflektierenden Schnee wieder kaum etwas sah und dem ich bei einer Paus
e sein eines Glas noch mit Tape zupflasterte, was jedoch nicht allzuviel brachte.Ich hatte etwas kleinere Probleme, bei mir schmerzte mein offener großer Zeh und meine Socken waren unheimlich am Scheuern, doch insgesamt kam es mir nicht so schlimm wie im Huerquehue Nationalpark vor, während Mutti und Vaddi kurz vorm Abkratzen waren (wie später meinten). Ich hatte aber auch irgendwann die Idee Musik mit meinem vorsorglich eingepackten supertollen GeburtstagsiPot zu hören und war dadurch etwas abgelenkter. Irgendwann hatte ich nicht mehr registriert, dass ich schon laut sang, bis mi
ch alle anschauten und lächelten...Ansonsten hatten wir aber nicht viel zu lachen. Es war schon ganz schön hart und zerrte sowohl an Nerven und Ausdauer, als auch am einfachen Willen überhaupt weiter zu gehen.
Insgesamt waren wir sechs Leute plus zwei Führern und mit mir und Mutti waren wir drei Frauen. Ich denke auch das andere Mädel hatte schwer zu kämpfen, denn sie fielen immer mal ein wenig zurück.
Und als wir dann endlich soweit oben waren, dass der Schnee aufhörte, weil die Felsen so heiß waren, hatten wir es ja fast geschafft. Ab dem Punkt hat es weder Sinn, noch irgendetwas anderes umzudrehen und doch kostete es uns ungeheure Kraft diese letzten, steinigen Meter zu überwältigen.
Uns als wir es dann schließlich geschafft hatten, empfing uns statt ein Goldregen und eine riesige Willkommens-/Glückwunschparty mit Ballons und Kräckern, der ätzenste, brennenste Geruch unseres Lebens. Und wir hatten nicht mal die Möglichkeit direkt in Lava zu schauen - von der einen Seite konnte man nichts sehen, weil es einen Überhang gab, und zur anderen sind wir erst gar nicht gekommen, weil der Gestank wirklich so ätzend in den Lungen brannte, dass wir auf halben Wegen umdrehen mussten und ich wirklich dachte, dass ich an Kohlendioxidvergiftung sterben würde oder so was Ähnliches. Außerdem gab es mir ein
rasselndes Husten, das ich bis zum nächsten Tag nicht loswurde.Naja, wir blieben eine Stunden dort und machten uns dann auf den Abstieg, der wesentlich lustiger war, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt. Und zwar, nachdem wir die Stein- und Felsenwüste durchquert hatten, ging es daran auf eingerutschten Bahnen im Schnee aufm Arsch einfach runter zu rutschen. Ich wollte mir eigentlich ne Tüte mitnehmen, so wie ich es mit Peter vor Jahren auf Mount Ventoux in Frankreich gemacht hatte, aber da wäre man doch schon ganz schön abgegegangen, denn hier war es um einiges steiler.
Ich war dann auch die Erste, die das ausprobieren durfte und es machte ganz schön Laune. Selbst Mutti überwand ihre Angst, weil sie einfach keine Bock mehr hatte zu laufen und auch sie fands toll. Der einzige Nachteil war, dass ich nach dem ersten Rutsch auftstand und einen derart nassen Arsch hatte, dass es keine Freunde mehr war. Eigentlich hatte die Hose speziell dafür am Hintern eine Art Riesenaufnäher hatte, aber nun gut, wenn er erst mal nass ist, lässt sich das auch nicht mehr ändern, sondern nur akzeptieren. Mal abgesehen davon war er aber nach jedem Mal eingefroren, aber immer noch besser als laufen. Nun gut, ich muss außerdem hinzufügen, dass man (oder nur ich?) manchmal soviel Schnee vor
sich herschob, dass man (oder nur ich?) steckenblieb, was mich (definitiv mich) ganz schön ankotzte.Leider haben wir vom Rutschen keine Bilder und ich habe auch keine im Internet gefunden, sodass ihr euch mit den Rutschbahnen an sich abfinden und ein bisschen Phantasie walten lassen müsst. Sorry, haben wir vor Gaudi vergessen :)
Naja, so oder so kamen wir untern an, mussten dann noch ein bisschen laufen, uns auspellen und wir fuhren wohlverdient nach Hause und gingen abends schön nett essen.
An dem Abend schliefen wir, glaube ich, alle wie Babys, keiner brauchte Schlaftabletten ;)
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