Friday, March 09, 2007

Die letzten drei Tage

Samstagmorgen gegen 12 Uhr verließen wir das Department in Vitacura, bis Papa einfiel, dass er seine Photoapparat vergessen hatte und sich ja auch nicht mit meinem begnügen konnte. Könnte ja sein, dass die Batterien alle waren (weil ich ja nicht noch einen Satz mithatte), oder zu viele Photos auf der Speicherkarte hätte (weil man die ja nicht löschen kann), und so mussten wir nach einer heftigen Diskussion wieder umdrehen und auch noch ICH nach oben rennen und sie holen, bis er sie endlich wieder an sein bummerndes Herz drücken konnte - Mann, muss Liebe schön sein.
Nun gut, wir kamen dann auch irgendwann in Rancagua an und wurden überschwenglich empfangen. Kurz nach uns trafen dann Ivan und Anita mit deren Kindern und der Schwester von Luz ein. Allerdings waren die Kinder von Renato jr. und Isabel noch nicht da, denn sie waren mit dem Fahrrad unterwegs. Und so schauten wir uns erstmal das Haus an, bis wir uns hinsetzten und unterhielten, eine Kleinigkeit aßen, während Renato jr. den Grill preparierte, denn es sollte ganz spezielles Fleisch geben, von einem seltenen japanischen Rind, die sehr teuer sind, Bier trinken und tägliche Massagen bekommen, damit das Fleisch auf der Zunge zergeht: Huayu (ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wies geschrieben wir, aber es wird "Weiju" gesprochen, also denkt euch euren Teil...).
Nachdem dann auch die anderen Kinder von ihrer Radtour eingetroffen waren und meine Eltern sie kennen gelernt hatten, ging es auch bald zum Essen über und kurz danach waren wir alle mal wieder genudelt und verblüfft von dem wirklich ungaublichen Fleisch, das wie Schokolade auf der Zunge verging. Und dann gab es auch noch Nachtisch!!!! Und nach einer weiteren kleinen Unterhaltungpause gabs auch schon wieder Tee, oh mein Gott wurden wir gemästet!
Nun gut, gegen sieben Uhr mussten wir uns dann auch auf den Weg machen, denn von Rancagua zum Campo sind es ungefähr zwei einhalb Stunden und so kamen wir dort auch genau gegen halb zehn an, unter Begleitung einer Mondfinsternis.
Die beiden schauten sich noch alles soweit an, wie es ging und dann machten wir uns schon wieder auf zu spielen und schlafen.
Der nächste Morgen, der letzte volle Tag für meine Eltern, begann relaxt mit Frühstück und einem anschließendem Rundgang über die Farm und die Avocadoplantage.
Als dann alle fertig waren, machten wir uns gegen halb zwölf auf zur Küste, zuerst nach Papudo, wo ich zuvor auch noch nicht gewesen war. Es war strahlendster Sonnenschein gewesen, doch als wir den Pazifik erreichten, schlug uns eine Wolkenwand entgegen, was aber sehr charakteristisch und typisch für die Pazifikküste ist und sich meist im Laufe des Mittags mit der Stärke der Sonne verzieht.
Wir stoppten nur kurz und schlugen uns dann weiter die Küste entlang durch zum exklusivsten Badeort ganz Chiles, Zapallar. Dort stoppten wir in der Nähe des Strandes und gingen eine Runde nachdem wir den Fischmarkt entdeckt und erkundet hatten und fuhren dann weiter zu dem Ort, wo ich Sylvester und Neujahr verbracht hatte, Maitencillo.
Doch dort fuhren wir vorbei, direkt nach Concón, wo wir uns mit dem ältesten Bruder Renatos treffen sollten, Richard. Was wir auch taten und ein Fischrestaurant suchten, was zwar atmosphärenmäßig nicht so überzeugend, geschweige denn unter alle Sau war, aber das Essen (soweit es sich denn um Fisch handelte) war 1. Klasse. Danach trennten wir uns von Richard wieder und fuhren weiter, über Renaca nach Vina del Mar, wo wir nur für Photos kleine Stopps (für den deutsche Chinesen mit der Kamera unter uns) machten und dann weiter nach Valparaiso fuhren, wo wir am Hafen parkten und den uns gleich mal ansahen und dann weiter gingen und mit einem der berühmten alten Aufzüge die Hügel hinauffuhren und die Aussicht genossen.
Dann hatte ich den vieren noch den besten Kaffe ihres Lebens versprochen, und das musste ich ja auch einhalten und so machten wir uns wieder auf den Abstieg und auf die Suche nach dem längst vergessenen Café - Café del Poeta.
Und wie versprochen waren sie begeistert. Eiskaffee, Espresso und ein Caramel Latte Macciato schaffen es also immer noch...
Nach dieser Überzeugung machten wir uns wieder auf den Rückweg und nahmen aus Spaß noch mal einen anderen Aufzug, den ich schon früher einmal mit Matías genommen hattte und landeten letzten Endes in einem Rundgang eines wunderschönen Hotels, deren Besitzer so frei waren uns an allem ein bisschen teilhaben zu lassen.
Danach machten wir uns nun wirklich auf den Rückweg zum Auto und fuhren zurück nach Santiago - an mindestens drei Großbränden vorbei.
Den letzten Abend verbrachten wir in aller Ruhe, mal ohne spielen, die einzige Ausnahme in diesen zwei Wochen, denke ich.
Den nächsten Morgen fuhren wir noch mal zu María de la Luz, die bereits mit dem Würmchen zu Hause war, um uns zu verabschieden und ich nahm mein Laptop mit, weil sie unbedingt die Urlaubsphotos sehen wollte.
So verbrachten wir den Vormittag, aßen zu Mittag und ruhten dann noch ein bisschen, während noch letzte Handgriffe am Kofferpacken getan wurden. Die Kuh war schon seit dem Morgen in eine riesige Plastikplane gepackt und gut verklebt und sollte so wohl den Flug überstehen.
Und dann schlug es auch schon fünf Uhr, das hieß auf den Weg machen und Luz von der Arbeit abholen und weiter durch zum Flughafen.
Sobald wir da waren, gaben wir die Koffer auf und mit ein bisschen guter Zurede von Renato schaffte es auf die Kuh, die danach einen deutlich vernehmbaren Erleichterungmuher ausstieß.
Wir setzten uns in ein Café, tranken noch etwas, bevor es auch schon hieß Abschied zu nehmen. Die zwei Wochen waren derart schnell herum gegangen, dass wir es alle gar nicht glauben konnten und es uns schwer ums Herz wurde. Doch während wir noch alles runterschlucken und für später aufheben konnten, rollten auch schon die Tränen auf der scheidenden Seite.
Und so feucht und schnell es begonnen hatte, so tränenreich und fix war es auch schon wieder vorbei und wir machten uns nach dem Abschied und unendlichem Winken auf den Weg nach Hause...
Viereinhalb Monate noch!

1 comment:

Anonymous said...

Hallo Lisa,

es war wieder sehr amysant, deine letzten 14 Tage zu verfolgen.
Du hast so lebendig geschrieben,
so dass ich mich jetzt noch mehr
freue, mit deinen Eltern - unseren
Freunden - eine wunderschöne wie
interessante Foto-Erlebnisreise in Chile zu erleben.
Am 24.03.07 treffen wir uns nämlich wieder zum Doppelkopf. Allerdings werden wir dann keine Karten spielen, das haben deine Mutti und ich uns schon abgemacht. Dieses Mal werden wir Frauen uns durchsetzen.

Ganz liebe Grüße aus Bargeshagen
von ABS